To top
3 Apr

KOLUMNE: ÜBER MODETRENDS, DEN JOJO-EFFEKT UND DIE VERNUNFT

Ich kann mich noch gut daran erinnern; Es war Frühling im Jahr 2011. Ich war 18 Jahre alt und besessen – von den Longchamp-Taschen. Könnt ihr euch noch an die erinnern? Das Material: Nylon mit Henkeln und Klappe aus Leder. Der Stil: sportlich chic und ach so parisienne. Die modische Verfallszeit: sehr gering. Heute habe ich mein XL-Exemplar als Strandtasche umfunktioniert und kann beim besten Willen nicht mehr nachvollziehen, warum noch vor ein paar Jahren an nahezu jedem zweiten Frauenarm ein solcher Beutel baumeln konnte. Für mich waren 80 Euro für eine “Designer”-Tasche damals wahnsinnig viel Geld. Heute wünschte ich, Schouler, Laurent & Co. würden ihre Täschchen wenigstens nur für das zehn- anstatt für das neunzehnfache verkaufen. Ich habe übrigens die Hoffnung, dass sich diese Schmerzgrenze mit zunehmendem Alter immer weiter nach oben verschiebt.

Das mit den Modetrends ist so eine Sache. Sie kommen, sie gehen, und dann kommen sie plötzlich wieder – vergleichbar mit einem Jojo. Hättet ihr euch vor einem halben Jahr vorstellen können wieder auf klobigen 90er-Jahre-Sneakers herumzustapfen. Also, ich ja nicht, und jetzt tu ich es mit Leidenschaft. Oder auch die Sache mit den Schlagjeans: Vor zwei Jahren noch hätte ich geschworen, den Rest meines Lebens nur noch Skinny Jeans zu tragen. Jetzt liebe ich den Hippie-Trend und das Hosenbein kann gar nicht ausgestellt genug sein.

Ich muss zugeben, ich bin ein kleines Trendopfer. Obwohl ich mittlerweile nicht mehr darauf verzichte liebgewonnene Trends auch dann noch zu tragen, wenn schon wieder ganz andere Sachen “in” sind, hole ich mir wahnsinnig gern Inspiration in den aktuellen Ausgaben der Hochglanzmodemagazine. Ich verliebe mich sehr schnell in gehypte Styles, verliere aber häufig genauso schnell wieder den Gefallen. So ging es mir zum Beispiel mit der Luggage Tote von Céline. Mittlerweile aber gefällt mir ihre kleine Schwester, die Trapeze Bag deutlich besser.

Ich bin mir sicher, dass wir mit zunehmendem Alter vernünftiger werden, was hochpreisige Mode-Investitionen angeht. Wir wägen ab, investieren in klassische, zeitlose Teile, von denen wir uns sicher sind, dass sie auch in zehn Jahren noch tragbar sind. Wahrscheinlich entwickeln wir auch ein stärkeres Bewusstsein für die Umstände, die in den Produktionsstätten herrschen (Dazu aber an anderer Stelle mehr.). Aber vor allem sind wir nicht mehr so trendbesessen. Wir laufen keinen Trends mehr hinterher, wir setzen selbst welche.

Ines Ballali
4 Comments
  • Luise

    Ein wunderbar geschriebener Post. Ich kann dir in so vielen Dingen nur zustimmen <3

    Liebste Grüße
    Luise von http://www.just-myself.com

    5. April 2015 at 22:28 Reply
  • Jasmin

    Mir gefällt dein Post auch sehr! Vor allem der letzte Abschnitt 😉
    Meine Garderobe besteht zum größten Teil aus klassischen Elementen. Als Eyecatcher zu einem klassischen Outfit trage ich dann gerne einmal etwas “Trendiges”.
    Wenn ich mich in ein Kleidungsstück verliebt habe, dann trage ich es auch wirklich viele Jahre. Ich mag es dann gar nicht mehr hergeben 🙂

    6. April 2015 at 10:11 Reply

Leave a reply