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16 Mär

MODEBLOGGER – REAL ODER FAKE?

Während ich diese Zeilen tippe befinde ich mich im Flugzeug von Frankfurt nach New York City. Die Beinfreiheit lässt zu wünschen übrig, die Rücksicht meines Vordermannes auch und das Einzige was ich heute zu mir genommen habe waren nicht etwa ein frisch gepresster Orangensaft und Chia-Pudding, sondern Diät-Cola und ein gummiartiges Butterbrötchen aus der Bordküche.

Modeblogger und andere Fashion-Freaks lieben Inszenierungen

Wirft man einen Blick in die Instagram-Galerien der Modeblogger oder anderer Fashion-Fanatiker fällt ganz klar ein Schema auf, das sich wie ein roter Faden durch alle Accounts zieht: Man sieht viele Tulpensträuße, unzählige Avocados (Wann wurden die eigentlich zur Trendfrucht des 21. Jahrhunderts ernannt?) und mit der Bildbearbeitung, die für ein einzelnes Foto aufgewendet wird könnte man sogar einen Nacktmull attraktiv aussehen lassen. Nicht zu vergessen sind natürlich die Gläser, mit den unnatürlich angeordneten Buchstaben. Dabei handelt es sich übrigens um Kerzen. Um genau zu sein um furchtbar teure. Wer zur Hölle gibt bitte 50 Euro für eine Kerze aus? FÜR EINE KERZE!?

Wunderschöne Frühstückskulissen mit den buntesten Früchten in Wohnzimmern, die einen vor Neid erblassen lassen… Hübsch anzusehen ist das, geb’ ich zu. Aber ist diese Inszenierung tatsächlich Sinn der Sache, nämlich satt zu werden? Ich schließe mich da gar nicht aus. Natürlich schmücke auch ich hin und wieder meinen Esstisch für Instagram. Auch ich habe schon das eine oder andere Rührei für ein veröffentlichtes Foto kalt werden lassen (In dem Zuge durfte ich übrigens herausfinden, dass Avocados mindestens genauso gut schmecken wie sie aussehen.). Aber ich tue das nie ohne danach, sobald das Bild im Kasten ist, reichlich unglamouröses Zeugs, wie zum Beispiel ein verschmiertes Maxiglas Nutella oder Wurstaufschnitt von Aldi auf den Tisch zu knallen und mir mein Frühstück schmecken zu lassen.

Die Modebranche lebt vom Visuellen

Ich will mich nicht beschweren. Ich liebe diese Perfektion, die auf gefühlt jedem geposteten Instagram-Foto herrscht. Sie wahrt für mich den Schein der Modewelt (Die Betonung liegt auf Schein!). Mittlerweile weiß ich, dass es Blogger gibt, die Zimmer in ihren Häusern eigens für Interior-Bilder einrichten, ohne diese im Alltag zu nutzen oder ihre Küchenfotos in fremden Häusern schießen. Ich weiß auch, dass man Hashtags wie #wokeuplikethis oder #nomakeup nicht trauen sollte. Und ich habe gelernt zwischen real und fake zu unterscheiden.

Wenn ihr also das nächste Mal durch eure Timeline scrollt und euch denkt „Was hab’ ich nur für ein unspektakuläres Leben, ganz zu schweigen von meiner Wohnung und – oh mein Gott – guck dir diese Wimpern an!“, dann haltet euch folgenden Satz vor Augen, mit dem Lina in einem ihrer letzten Beiträge den Nagel auf den Kopf getroffen hat: „Kein Mensch sitzt um 8:00 Uhr frühs mit nackten Beinen auf einem Lammfell und nimmt eine gestiffelte Avocado zu sich.“ Das tut niemand. NIEMAND! Und es wacht auch keine Frau dieser Welt (KEINE!) mit Wallemähne, makellosem Teint und rosa Wangen auf (Hashtag #wokeuplikethis, Hashtag #nomakeup, Hashtag #schlagmichtot). Alles Inszenierung. Das gehört zur Modewelt wie das Silikon in Kim Kardashians Hintern. Und das ist gut so.

Gerade ertönte hier übrigens folgende Durchsage: „In wenigen Minuten servieren wir Ihnen ein warmes Mittagessen.“. Flugzeugmampf im Aluschälchen mit pappsüßem Gebäck als Nachtisch. Mein bisheriges Tageshighlight. Und das ist auch gut so.

Ines Ballali
6 Comments
  • Luise

    Ich stimme dir zu 100 Prozent zu. Verschönern tun wir unsere Bilder für Instagram alle, aber die Realität sieht wirklich anders aus.

    Danke für diesen tollen Blogpost.

    Liebste Grüße
    Luise von http://www.just-myself.com

    2. April 2015 at 9:41 Antworten
  • Stephanie

    Hach, Du sprichst mir aus der Seele. Ein sehr ehrlicher Beitrag – langsam fehlt mir bei Instagram auch die Originalität – es ist nur noch einer Overkill aus Diptyque Kerzen, Lammfellen, Neverfulls und #celfies. Und Blumen – frische Blumen! Manchmal fang ich dann an, mich selbst daran zu messen und verspüre den Drang, da mit zu ziehen. Mein eigenes Instagram hat nur wenige Bilder, aber alle sind für mich wie visuelle Tagebucheinträge, um mich an schöne Momente erinnern zu können.
    Ich wünsche Dir wunderbare Ostertage & weiterhin viel Spaß in Miami!

    4. April 2015 at 15:09 Antworten
  • Madeleine

    Ich liiiiiiiiebe deine Posts einfach. Es ist so toll erfrischend, dass auch jemand mal die Wahrheit darüber sagt, wie Instagram Bilder entstehen. Ich selbst ertappe mich auch häufig dabei, Essen nach Schönheit auszusuchen, nach toller Verpackung etc. Eigentlich ziemlich verrückt. Und da meine Wohnräume leider nicht alle komplett weiß in weiß in weiß sind ist es teilweise gar nicht so einfach, alles so toll zu inszenieren… 😀

    Aber ganz tolle Posts, auch der über die Outfit-Posts..:)

    Viele liebe Grüße
    Madeleine

    7. April 2015 at 19:46 Antworten

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